Die lehrreichste Zeit meines Lebens – Wrestling Training in Atlanta

Dass ich mal Wrestling gemacht habe, das wissen zwischenzeitlich so ziemlich viele Menschen. In den Medien wurde ich schliesslich auch immer als der „EX-Wrestler“ betitelt (was nicht falsch ist). Jedoch war dies lediglich ein 7 -jähriges Kapitel meines mittlerweile 33 jährigen Lebens (Holy Shit, schon….?!)

Ich schaue immer mit einem lächelnden Blick auf diese sehr lehrreiche Zeit zurück. Nirgendwo hab ich mehr gelernt als in diesem Lebensabschnitt. Der Mann, der ich heute bin, wäre ich nicht ohne das Wrestling.

Wir schreiben das Jahr 2006. Ein 23 jähriger Stefan Schwitter fliegt von Düsseldorf nach Atlanta – alleine. Über E-mail hatte ich ca. 3 mal hin und her geschrieben mit dem Besitzer einer bekannten Wrestlingschule. Kein Telefonat, kein Skype, kein anderer Austausch hat da stattgefunden. Kann ich kommen für 3 Monate, war meine letzte Frage. Ja, kannst duich hol dich am Flughafen ab, war die letzte Antwort des Besitzers!

Alles war bezahlt und gebucht (klingt irgendwie naiv, nicht?). So flog ich mit wenig Gepäck und einem Herzen voller Träume in die grosse USA. Was ich hier mache, fragte man mich bei der Einreise. Ich antwortete – ich besuche eine Wrestlingschule für 3 Monate. Good luck Kid, chase your dreams, antwortete der coole Typ bei der Einreise.

Der Flughafen von Atlanta ist übrigens einer der grössten überhaupt und natürlich hab ich keinen Treffpunkt abgemacht mit Frank, dem Besitzer der Schule. Wie durch ein Wunder sah ich plötzlich einen etwas älteren Typ mit Bart in der Menschenmenge stehen mit einem Schild, auf dem stand „Steve Allison“ (mein Wrestlingname). Meine Gedanken zu diesem Zeitpunkt waren: WOW, ich bin endlich angekommen und mein Abenteuer kann nun starten.

Frank fuhr mich mit seinem  alten und quietschenden Auto in mein „Hotel“, welches ca. 1 Mile von der Schule entfernt lag. Beim Aussteigen sagte er mir folgendes: Geh nicht alleine auf die Strasse und pass auf dich auf, die Gegend ist nicht die sicherste – dein Training beginnt in 4 Stunden! 

Welcome to Fulton Industrial Boulevard in Atlanta – der Ort, an dem keine Polizei auf Streife geht, weil sie Angst hat vor der Gang (Red Dragons), die gleich vis a vis von meinem  Hotel (welches nicht wirklich ein Hotel war) ihre Bruchbude hatte. Das klingt jetzt vielleicht wie ein schlechter Actionfilm, aber für mich war es Realität. Nun, ich liess mich nicht gross beirren, weil ich hatte ja schliesslich einen grossen – SEHR GROSSEN Traum im Gepäck.

Gegessen habe ich nach der langen Reise nichts, weil ich war gesättigt von den ersten Eindrücken. 4 Stunden später wollte ich natürlich- in sehr übermüdeten Zustand- in mein erstes Wrestlingtraining. Ich war extrem nervös und angespannt (nicht wirklich toll fürs Nervensystem). Ein junger Wrestling Student aus New England mit dem Namen John, der auch dort im „Hotel“ oder nennen wir es „Betongebäude mit Stacheldraht umzäunt“ wohnte, nahm mich mit zur Schule. By the way, mit ihm bin ich heute noch sehr eng befreundet.

In der Schule angekommen und mit zittrigen Beinen und Händen betrat ich diese Halle (vorher war diese Schule übrigens ein Stripclub 😉 ), in dem 5 Wrestling Ringe standen und ca. 30 Leute aus ganz Amerika denselben Traum hatten wie ich. Ein Typ rief ganz laut, „Oh Look, thats the kid from Europe“…es wurde still wie in der tiefsten Meditation eines indischen Heiligen und alle Blicke waren in dieser Sekunde Ewigkeit auf mich gerichtet. Kein einziges HALLO ist gefallen, sondern nur ein kollektiver Blick der sagte, „Geh wieder zurück wo du herkommst und suche dir einen anderen Traum“.

Fazit nach 3 Monaten Atlanta. Ich hatte Freunde fürs Leben gefunden, die ganze Wrestlingschule wurde meine 2. Familie und ich hatte oft den Posten als Assistenz Trainer eingenommen in Dingen, die ich damals schon beherrschte. Ich wurde jeden Abend um Rat gefragt und man hat mich behandelt wie ein Bruder. Den Respekt hab ich mir hart erarbeitet und geschenkt wurde mir nichts.  Was ich genau gemacht habe um an diesen Punkt zu kommen mit meiner Ausgangslage, das werde ich in einem nächsten Blog ganz genau um- und beschreiben. Aufjedenfall hab ich etwas gemacht, was ich in meiner jetzigen Berufung immer wieder gebrauchen kann und es funktioniert zu 100%. 199830_1009482837884_6439_n

Und wenn auch DU einen Traum hast, dann wirf ihn niemals weg – auch wenn die Lage nicht optimal ausschaut im Moment. Es lohnt sich , ich WEISS es!

Einen wunderbaren Tag

 

Stefan

 

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